Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

Institut für Neuroradiologie
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Hirntumordiagnostik

Die Diagnostik von Hirntumoren erfolgt in der Computertomographie und der Magnetresonanz- tomographie mit Kontrastmittelgabe. Unterschieden wird zwischen hirneigenen Tumoren, die von im Gehirn vorhandenen Zellen ausgehen und Tumoren die aus Fremdgewebe bestehen (Metastasen). Neben der reinen Morphologie spielen zunehmend funktionelle Aspekte in der Bildgebung von Hirntumoren eine entscheidene Rolle. So kommen spezielle Sequenzen im MRT zur Anwendung, die Nervenfaserverbände zeigen wie zum Beispiel die Sehbahn und Pyramidenbahn (Bewegung von Arm und Beinen), die bei einer OP zu schonen sind. Zur Artdifferenzierung und Bestimmung der Malignität vor der OP kann die MRT-Spektroskopie hilfreich sein. Hier werden die einzelnen Bestandteile des Tumors analysiert. Um für eine minimalinvasive Tumorpunktion die Bereiche mit der höchsten Tumoraktivität zu finden, werden ebenfalls spektroskopische und Perfusions-Messungen durchgeführt. Die Perfusionsmessung beruht auf der Annahme, dass ein aktiver Tumoranteil eine höhere Durchblutung aufweist.

Gliome

Gliome sind hirneigene Tumoren, die vom Stützgewebe des Gehirngewebes, der Glia ausgehen. Zu diesen Geweben zählen die Astrozyten und die Oligodendrozyten. Von den Astrozyten leiten sich die Astrozytome und Glioblastome ab, aus den Oligodendrozyten entstehen die deutlich selteneren Oligodendrogliome.

Oligoastrozytome stellen eine Mischformen dieser Zellen dar. Tumoren anderer Zelltypen sind weit weniger häufig. Tumoren der eigentlichen Nervenzellen (Neurone) sind im Erwachsenalter sehr selten. Gliome können langsam wachsend (niedriggradige Gliome, Grad I und II) oder schnell wachsend (hochgradige Gliome, Grad III und IV) sein. Die bösartigste Form eines glialen Hirntumors ist das Glioblastom (Glioblastoma multiforme, Gliom Grad IV). Gliome wachsen diffus infiltrierend und durchsetzen das angrenzende normale Hirngewebe. Daher ist eine vollständige Tumorentfernung schwierig und aufgrund der oft kritischen Nähe zu wichtigen Hirnstrukturen meist nicht vollständig möglich.

Einteilung:

Astrozytome

Pilozytische Astrozytome (WHO Grad I) sind gliale Tumoren des Kindesalters. Sie stellen noch vor den Medulloblastomen den häufigsten Hirntumor des Kindes dar. Bei vollständiger Resektion ist eine Heilung möglich.
Diffuse Astrozytome (WHO Grad II) sind hauptsächlich in den Hirnhemispären gelegene Tumoren des mittleren Lebensalters und haben einen Anteil von ca. 10-15% aller Gliome. Häufige werden diese langsamwachenden Tumore durch eine Epilepsie symptomatisch.
Anaplastische Astrozytome (WHO Grad III) haben eine ähnliche Inzidenz wie die diffusen Astrozytome. Auch diese Tumore treten im mittleren Lebensalter auf. Resektion sowie adjuvante Therapie mit Strahlentherapie und Chemotherapie sind insbesondere bei diesen Tumoren wichtig und ermöglichen eine Steigerung der Überlebenszeit.

Wie auch bei den diffusen Astrozytomen kommt es bei diesen Tumoren im Laufe der Zeit zu einer Malignisierung und Progression zum Glioblastom.
Oligodendrogliome (WHO Grad II) machen etwa 5% aller Gliome aus. Auch diese glialen Tumore haben ihren Häufigkeitsgipfel im mittleren Lebensalter. Meist sind diese Tumoren frontal gelegen, Erstsymptom ist oft ein epileptischer Anfall. Typisch sind Tumorverkalkungen.
Etwa 50% der oligodendroglaal differenzierten Tumor sind anaplastische Oligodendrogliome (WHO Grad III). Oligoastrozytome (WHO Grad II) kommen mit einer Häufigkeit von etwa 2% aller Gliome vor. Die Patienten werden im Mittel im Alter von 40 Jahren vorwiegend durch epileptische Anfälle symptomatisch. Anaplastische Oligoastrozytome (WHO Grad III) sind mit ca. 1 % der Gliome seltene Tumore.
Das Glioblastom ist der häufigste neuroepitheliale Tumor und macht mehr als 50 % der hirneigenen Tumore aus. Diese Tumore treten im mittleren und höheren Lebensalter auf. Zirka 5-10% der Glioblastome entwickeln sich aus Gliomen der WHO Grade II oder III, im Sinne einer "Malignisierung". Daher werden diese Glioblastome als sekundäre Glioblastome bezeichnet. Der größte Anteil der Glioblastome entwickelt sich primär, also ohne das Durchlaufen von weniger bösartigen Vorstufen.
Die Ependymome (WHO Grad II und Grad III) machen unter 10 % aller neuroepithelialen Tumoren aus, 10 % der intrakraniellen Tumore bei Kindern sind Ependymome. Sie stellen hingegen die häufigste Gruppe der spinalen gliösen Tumore. Die infratentoriellen Ependymome treten im Kindesalter, die spinalen Ependymome im mittleren Erwachsenenalter auf. Die supratentoriellen Ependymome, meist am dritten Ventrikel oder den Seitenventrikel gelegen, kommen sowohl im Kindes- als auch im Erwachsenalter vor.

Hirnmetastasen

Hirnmetastasen sind hämatogene Absiedlungen parenchymatöser Tumore in das Hirngewebe. 37 % der Metastasen machen Melanome, 26,3 % Lungentumore, 15,8 % Mammakarzinome und 12,8% Blasen- bzw. Nierentumore aus. Absiedlungen von Tumoren der Prostata, colorektaler Tumoren, Leber-, Pankreas-, sowie gynäkologischer Tumoren oder lymphatischer Malignome sind deutlich seltener und liegen jeweils deutlich unter 5 %.

Hirntumordiagnostik

Die Bildgebung bei Verdacht auf das Vorliegen eines Hirntumors erfolgt in der Regel durch ein craniales MRT nativ und nach Kontrastmittelgabe. Trotz oft typischer Befunde reicht die alleinige Bild- gebung zur Diagnose einer Hirntumorerkrankung nicht aus. Eine eindeutige Diagnose kann nur durch eine feingewebliche Untersuchung erfolgen.

Eine Gewebeentnahme kann offen oder minmalinvasiv stereotaktisch erfolgen. Zur Planung des operativen Eingriffs sind spezielle dünnschichtige MR-Sequenzen erforderlich, die vom MRT an die entsprechenden Planungsrechner im Op übertragen werden können. Eine wichtige Fragestellung bei der Diagnostik von Hirntumoren ist die Identifizierung bösartiger Tumoranteile, um diese ge- gebenenfalls auch durch eine Gewebeentnahme zu sichern. Hintergrund sind das unterschiedliche therapeutische Vorgehen, je nach Differenzierung eines Hirntumors. In diesem Zusammenhang sind spezielle Untersuchungsverfahren wie Diffusion, Perfusion und Spektroskopie zu nennen, die zur weiteren Differenzierung angewandt werden können. Die Spektroskopie misst hierbei das Verhältnis der Gewebsmetaboliten Kreatinin, N-Acetylaspartat, Cholin und Lactat in verdächtigen Hirnregionen. Hierdurch kann Tumorgewebe von z.B. entzündlichen oder narbigen Veränderungen differenziert werden.

Tumornachsorgeuntersuchungen

Innerhalb der ersten 48 Stunden nach operativer Entfernung eines Hirntumors erfolgt eine MRT Untersuchung, um das Resektionsausmaß besser beurteilen zu können. Diese frühe Untersuchung nach der Operation ist notwendig, da sich bereits kurze Zeit nach der Operation Heilungsprozesse einstellen, die eine eindeutige Bildgebung sehr erschweren. Die Bildgebung ist wichtig, um gegebenenfalls eine Nachresektion entscheiden zu können und Daten für die oft anstehende Strahlentherapie zu liefern.

Letzte Änderung: 21.07.2015 - Ansprechpartner: Webmaster
 
 
 
 
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